Geschichte

Vorwort

 

Flüsse dienten schon seit langer Zeit dem Transport und der Beförderung von Menschen und Gütern und wo diese nicht ausreichten, baute man Gräben oder Kanäle. So wurden auch Saale und Elster zur Flößerei genutzt. Mit der Einführung der Salzsiederei in Mittel-

deutschland war man gezwungen, auch aus fernen Landen Holz heranzuschaffen. Damit stiegen natürlich die Beschaffungskosten und dies war der Ausgangspunkt für August I. von Sachsen, einen Auftrag zum Bau eines Floßgrabensystems zu erteilen. 1577 begann die Geschichte des Elsterfloßgrabens, welche wir nun chronologisch hinsichtlich der technischen Leistung, der historischen Bedeutung in Vergangenheit und Gegenwart darstellen wollen. Dieser Elsterfloßgraben ist heute ein überregionales technisches Denkmal (Baudenkmal), erstreckt er sich doch von Thüringen (Anfang in Crossen) über Sachsen-Anhalt bis nach Leipzig in Sachsen. Das Kulturdenkmal zeugt mit seinen Brücken, Flutern, Gewölben, Zuflüssen und Abschlägen noch immer von der großartigen ingenieurtechnischen Leistung seiner Erbauer. Es ist heute unser aller Aufgabe, dieses kulturelle Erbe zu schützen, zu bewahren, aber auch nachfolgenden Generationen zu erschließen. Die Seiten sollen dazu beitragen und vielleicht regt es so manchen Leser an, selbst einmal eine Wanderung entlang des Elsterfloßgrabens zu unternehmen, um diese ingenieurtechnische Meisterleistung im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“ zu können.

 

Der Bau des Großen Elsterfloßgrabens im Unterlauf der Weißen Elster zur Anbindung der Saline Poserna und später der Städte Halle und Leipzig begann auf Weißung des Kurfürsten 1578 und wird Gegenstand der folgenden umfassenden Betrachtungen sein. Im Stadium des Endausbaus gehörten zur Weißelsterflöße daher sechs Flößgräben (Großer Elsterfloßgraben mit Lützener Kunstgraben, Kleiner oder Leipziger Elsterfloßgraben, Oberer und Unterer Göltzschfloßgraben, Kielfloßgraben), die sechs Flüsse miteinander verbanden (Weiße Elster, Zwickauer Mulde, Zwota, Pleiße, Luppe, Saale) und eine größere Zahl von Gebirgsbächen einbanden. Die Weißelsterflöße war damit das umfangreichste und bedeutendste Brennholztransportsystem der Neuzeit in Europa.

Chronik

1547

Kurfürst Moritz von Sachsen regte 1547 an, zwischen Elster und Saale durch einen Graben eine Wasserverbindung herzustellen. Der Bau des Grabens kam jedoch wegen des Schmalkaldischen Krieges nicht zur Ausführung.

1553
August I. wird Herrscher im Kurfürstentum Sachsen (1553 - 1586).

1573
Der Kurfürst übernimmt Anteile an der Saline Poserna (bei Weißenfels), um die einheimische Salzproduktion zu befördern.

1577
Die Saline Poserna wird unter Leitung des Freiberger Oberbergmeisters Martin Planer ausgebaut.
Erste Vorarbeiten zum Bau des Elsterfloßgrabens.

1578 - 1580
Bau des Großen Elsterfloßgrabens von Pötewitz über Zeitz nach Poserna, wo er vermutlich östlich in den Rippach mündete.
Gebaut wurde er mit etwa 400 Spezialisten aus Zwickau und etwa 1200 Fronarbeitern aus der ländlichen Bevölkerung des Stiftes Zeitz, nach den Plänen von Martin Planer und unter Aufsicht von Christian Kohlreiber (zur Versorgung der Saline Poserna). Der Elsterfloßgraben entstand parallel zur Weißen Elster mit einem sehr kleinen Gefälle von ca. 2 cm auf 100 m. Damit konnte die Wasserscheide zur Saale überwunden werden. Die vorhandenen Wege wurden über neu gebaute Brücken geführt. Weiterhin mussten Gewässer, die in Elster oder Saale mündeten, über oder unter den Elsterfloßgraben geführt werden. Dazu wurden Kunstbauten wie Fluter und Gewölbe gebaut bzw. kreuzende Gewässer in den Elsterfloß-graben eingeleitet (z.B. der Trebnitzer Bach). An vielen Stellen des Elsterfloßgrabens wurden Abschläge zur Weißen Elster gebaut, um bei großen Niederschlägen und bei der Schnee-schmelze, die erhöhten Wassermengen abzuleiten.
Nach zwei Jahren Bauzeit wurde mit der Probeflöße begonnen. Der damalige Abschnitt betrug 77,5 km, wobei die Dammkrone 3 m und die Sohle 1 m breit waren (bis zu 700 Liter Wasser pro Sekunde wurde von der Elster in den Elsterfloßgraben eingeleitet).

1580 - 1593
Der Elsterfloßgraben wird verlängert, bei Lützen wird ein Teilungswehr errichtet. Zuerst wird der "Lützener Kunstgraben" in Richtung Ellerbach/Persebach gebaut, um die Saline in Teuditz (bei Bad Dürrenberg) zu versorgen bzw. Holz in die Saale zum Weitertransport nach Halle zu leiten. Später wird die Saline in Kötzschau (bei Leuna) angeschlossen und der Floßgraben in die Luppe bei Wallendorf eingeleitet, um auch darüber mit Holztransporten die Saale zu erreichen.

1582

Bereits kurz nach der Inbetriebnahme der Saline Poserna zeichnet sich ab, dass der Solebetrieb aufgrund des geringen Salzgehaltes unrentabel wird. Durch das Scheitern des Salineprojektes in Poserna ist Kursachsen weiterhin vom Salz aus Halle abhängig. Zusätzlich sind die Halloren auf eine verlässliche Versorgung mit Brennholz angewiesen. Nach dem Motto "bringstu holz, kriegstu soltz" schließen beide Seiten einen ersten Floßholzkontrakt ab. Die Saline Poserna wird schließlich 1585 geschlossen.

1596/1597
Letzte Korrektur der Trassenführung = Verlegung des Elsterfloßgrabenbeginns ca. 3 km Elsteraufwärts, unterhalb von Crossen, zur Erzielung eines günstigeren Gefälles.

1608 - 1610
Bau des Kleinen oder Leipziger Floßgrabens vom Abschlag bei Stöntzsch über Pegau nach Leipzig zum Floßplatz, um den wachsenden Holzbedarf der florierenden Handelsstadt zu decken. Am Ende hat der Elsterfloßgraben eine Länge von ca. 101 km und ist damit das längste Kunstgrabensystem Europas.

1613 - 1616
Bau eines Soleschachtes im Kötzschauer Salzwerk durch Kurfürst Georg I.

1614
Einstellung der Salzgewinnung in der Saline Teuditz.

1812
Eröffnung einer chemisch-pharmazeutischen Fabrik in Teuditz durch den Erfurter Apotheker J. B. Trommsdorff.

1861
Stilllegung der Salinen in Teuditz und Kötzschau.

1864
Die Flößerei auf dem Elsterfloßgraben wird eingestellt.

1913
Gründung des Elsterfloßgraben-Zweckverbandes mit der Übernahme der Unterhaltung, Beaufsichtigung und Verwaltung des Elsterfloßgrabens.

1940.06.15
Erneuerung der Satzung des Elsterfloßgraben-Zweckverbandes.

1952
Letzte Unterlagen zum Elsterfloßgraben-Zweckverband danach Übernahme der Unterhaltung des Elsterfloßgrabens vermutlich durch die volkseigenen Betriebe der Wasserwirtschaft in Gera, Halle und Leipzig.

1958
Übergabe an die neu gegründete Wasserwirtschaftsdirektion Saale-Weiße Elster. Einschneidende Änderungen für Verlauf und Nutzung des Elsterfloßgrabens auf dem Gebiet der damaligen Bezirke Halle und Leipzig durch den Aufschluss des Tagebaus Profen. Auf einer Länge von ca. 11 km wurde der Elsterfloßgraben über baggert.

1975
Übergabe der Verantwortung an die Wasserwirtschaftsdirektion Saale-Werra.

1990
Anfang der 90-er Jahre begann die Rekultivierung des Tagebaues Profen. Zur Ableitung von Sümpfungswasser wurden Teilabschnitte des ursprünglichen Grabensystems auf einer weiter östlich liegenden Trasse neu geschaffen.
Mit der Gründung der neuen Bundesländer zerfiel die einheitliche Verantwortung für die Unterhaltung des Elsterfloßgrabens auf mehrere Dienststellen, Verbände und Gemeinden in den Freistaaten Thüringen und Sachsen sowie in Sachsen-Anhalt. Nach Bildung des Staatlichen Amtes für Umweltschutz Halle/S. (STAU) führte dieses die Unterhaltung des Elsterfloßgrabens weiter.

2001
Gründung Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) und Übernahme der Unterhaltung des Elsterfloßgrabens.

Literatur:

Andonov, Svetoslav u. a.: Der Elsterfloßgraben. Geschichte und Gestalt eines technischen Denkmals.

PRO Leipzig 2005.

Förderverein Elsterfloßgraben e.V.

c/o Dr. Frank Thiel

Am Kirschberg 8

39122 Magdeburg
Mail: elsterflossgraben[at]gmx.net

Geschäftsstelle

Am Herrmannschacht 11

06712 Zeitz

Mo - Fr  9:00 bis 12:00 Uhr

Fon: 03441 61 94 20 

Mail: elsterflossgraben[at]gmx.de

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